Hans Thoma

Ein Schwarzwaldmaler im Taunus

„Die Aussichten hier sind für mich besser als je… !“

So jubelte Hans Thoma (1839-1924) im Jahr 1877 und meinte damit Frankfurt. Denn in der Mainstadt verbrachte er die „glücklichsten Jahre seines Lebens“. Von 1877 bis 1899 lebte der Künstler in Frankfurt, Oberursel und Kronberg. Künstlerische Anerkennung, zunehmender Wohlstand und familiäres Glück verband Hans Thoma mit unserer Region. Rund 570 Gemälde – zahlreiche Porträts, Main- und Taunuslandschaften, Stillleben, mythologische und religiöse Darstellungen – zeugen von äußerst kreativen und produktiven zweiundzwanzig Jahren.

Schwierige Anfänge in Karlsruhe, Düsseldorf und München

In dem kleinen Bauerndorf Bernau im Schwarzwald wurde Hans Thoma 1839 geboren. Nach anfänglichen, eher handwerklichen Ausübungen der Malerei, als Uhrenschildmaler oder Hinterglasmaler, erkannte der Amtmann aus St. Blasien das künstlerische Talent und setzte sich dafür ein, dass der junge Thoma an der Kunstakademie in Karlsruhe studieren konnte. Doch die Bilder, die er in der badischen Stadt malte, waren „unverkäuflich“. Seine sehr naturnahe Malweise stieß auf allgemeine Kritik. Auch später in Düsseldorf herrschte nur „Not und Elend“. Hier fand er jedoch in dem Frankfurter Maler Otto Scholderer (1834-1902) einen „Freund fürs Leben“, der ihn immer wieder ermutigte und auch materiell unterstützte. Er lieh dem Malerfreund Geld für eine gemeinsame Reise nach Paris, wo er die Malerei von Gustav Courbet wie eine Offenbarung empfand. In der damaligen Kunstmetropole an der Seine und später in München lernte Hans Thoma durch Scholderer viele weitere Frankfurt/Kronberger Künstler kennen, darunter Peter Burnitz (1824-1886), Adolf Schreyer (1828-1899), Wilhelm Trübner (1851-1917), Louis Eysen (1843-1899) und Victor Müller (1830-1871). 

Hans Thoma in Frankfurt

Erstmals nach Frankfurt kam Hans Thoma im Jahr 1873. Otto Scholderer hatte den Kontakt zu dem kunstliebenden Arzt Dr. Otto Eiser vermittelt, für den Thoma das Porträt seiner Frau schuf. Dr. Eiser war der Leibarzt von Richard Wagners und über ihn kam Thoma in den Wagner-Kreis. Er besuchte häufig die Festspiele in Bayreuth und Cosima Wagner beauftragte den Künstler mit Bühnenbildern und Kostümentwürfen für den „Ring der Nibelungen“. Der Schwiegersohn von Cosima war der Kunsthistoriker und Städeldirektor Henry Thode, der auch das erste umfassende Werkverzeichnis von Hans Thoma schrieb.

Die vielen Künstlerfreundschaften, Auftraggeber und Förderer ließen in Hans Thoma den Entschluss reifen, sich 1876 in Frankfurt anzusiedeln, zusammen mit dem Malerfreund Wilhelm Steinhausen (1846-1924), den er 1869 auf der Karlsruher Akademie kennengelernt hatte. „Es wird ungemein viel gebaut hier, und der Reichtum der Leute geht über unsere Begriffe.“ Durch den Architekten Simon Ravenstein erhielten sie zahlreiche Aufträge für Wandmalereien in Gaststätten und privaten Villenbauten. In den aufstrebenden Gründerjahren sind ganze Stadtviertel – wie das Westend – neu entstanden, das erschloss den Künstlern ein breites Wirkungsfeld und zunehmende Bekanntheit. Die Wandmalereien als Zeugnisse der damaligen bürgerlichen Kultur sind heute leider nicht mehr erhalten.

Zum künstlerischen Erfolg kam das familiäre Glück. 1877 heiratete Thoma seine ehemalige Malschülerin aus München, die Blumenmalerin Cella Berteneder (1858-1901) und lebte fortan mit ihr, seiner Mutter, seiner Schwester Agathe und mit der adoptierten Nichte von Cella in „vier schönen großen Zimmern“ in der Lersnerstraße 20. Die Wohnung lag damals quasi außerhalb der Stadt. Von seinem Atelierfenster aus hatte der Künstler eine herrliche Aussicht auf das Holzhausenschlösschen inmitten des Parks. Es entstanden vier Ansichten von der „Oed“, die zu den schönsten Werken aus der Frankfurter Zeit zählen. Ein eigenes Haus konnte sich Hans Thoma dann 1886 in der Wolfsgangstraße 150 leisten. Simon Ravenstein hatte hier ein Künstlerviertel errichtet. Im Haus nebenan (heute als Museum zu besichtigen) wohnte sein Freund Wilhelm Steinhausen.

In der wohlhabenden Frankfurter Familie Eduard und Elise Küchler fand Hans Thoma bedeutende Kunstfreunde, die ihn nicht nur mit dem Porträt ihrer Kinder beauftragten, sondern im Laufe der Zeit viele Kunstwerke erwarben.

Die jüngste Tochter Sophie Bergmann-Küchler erbte das Haus der Eltern im Oeder Weg mit der Kunstsammlung und machte diese mit großem Engagement für die Öffentlichkeit zugänglich. 1939 stiftete sie die umfangreiche Sammlung an das Städelsche Kunstmuseum. Auch die Hans Thoma-Gedächtnisstätte in Oberursel (Vortaunusmuseum) und das Hans-Thoma-Museum in Bernau wurden bedacht.

Sommermonate in Oberursel

Die Sommermonate verbrachte Hans Thoma im Kreise seiner Familie in dem beschaulichen Taunusstädtchen Oberursel. Durch die Einladungen der Familie des Professors Dr. Friedrich Fries lernte er das „etwas primitivere Landstädtchen“ kennen und lieben. „Fast habe ich das Gefühl, als sei ich in ein verbotenes Paradies eingedrungen.“

In der heutigen Altkönigstraße mietete er ein einfaches Häuschen, später dann ein „etwas bequemeres Haus“ unweit entfernt. „Das Häuschen ist klein, aber im Ganzen gut eingerichtet. Es ist ein Bauerngärtlein dabei …, in dem ich lange Mittagsruhe mache. In den Pausen zwischen dem Ausruhen setze ich hauptsächlich Bohnen, dann Petersilie, Schnittlauch, Sonnenblumen…An Malerei und verwandte Fächer denke ich gerne, aber die Welt, (lies Oberursel) ist so herrlich, mit dem strahlenden blauen Himmel, auf dem die rötlich-braunen Kastanienbäume sich so schön abheben…Ich spiele jetzt die Rolle des  Mäzen und lasse mir vom lieben Gott  schöne Werke vormalen. Sobald werde ich ihm nicht in sein Handwerk pfuschen, das hat Zeit, wenn es wieder Winter ist…“

Thoma war nicht nur ein hervorragender Maler, sondern auch ein guter Gärtner. Dass er auch im Taunus das Malen nicht ganz sein lassen konnte, das beweisen einige schöne Ansichten aus der Oberurseler Zeit. Das grüne Wiesental, des sogenannten Maasgrundes, der durch die bewaldeten Höhen des Taunus abgeschlossen wird hat ihn fasziniert, ebenso wie die Heidetränke, die er gerne mit Freunden zum Picknicken besuchte. 

Ein Fuchsbau in Kronberg

Im Taunus gefiel es dem Maler so gut, dass er im Alter von 60 Jahren den Entschluss fasst, sich ganz dort niederlassen um seinen Lebensabend zu verbringen. In Kronberg fand er 1898 ein günstiges Haus in der Jaminstraße. „Mit meinen Haus- und Atelierwünschen habe ich gestern einen großen Schritt vorwärts getan; ich habe nämlich ein Haus mit einem mit alten Kastanienbäumen bewachsenen Garten, der 34 Ar groß ist, und zwar in Kronberg, in aller nächster Nähe des kaiserlichen Schlosses und als Nachbar von Herrn Grunelius, der mir einen Wink gab, dass die Sache zu haben sei. – Das ganze kostet 38 000 M., ein Preis, der für Kronberg nicht hoch ist…Allerdings muß ich nun ein Atelier anbauen, da das Haus einstöckig ist, aber ziemlich breit in der Bodenfläche… so muß und kann ich einen Stock und Mansarden hinaufbauen lassen… Jedenfalls lasse ich es so bauen, dass auch ein Aufenthalt im Winter möglich ist, falls ich Frankfurt aufgeben sollte… Hoffentlich bekomme ich endlich einmal ein gutes Atelier…“.“ Mit dem Umbau des Hauses beauftragte Thoma den Frankfurter Architekten Simon Ravenstein, der ihm ein großes schönes Atelier anbaute, das Häuschen aber ansonsten in seiner schlichten Art unverändert ließ.

Als nunmehr „Kronberger“ wurde Hans Thoma in den Kreis der Malerkolonie aufgenommen. Die meisten Künstler kannte er ja bereits. Unter den um 1900 dort lebenden Malern schätzte Thoma besonders Anton Burger (1824-1905), das Haupt der Malerkolonie, den Pferde- und Orientmaler Adolf Schreyer, den impressionistischen Gesellschaftsmaler Ferdinand Brütt (1849-1936) sowie den renommierten Porträtmaler Norbert Schrödl (1842-1912), der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnte.

In Kronberg beschäftigte sich der Künstler nicht nur mit der Malerei, sondern er führte das bereits in Oberursel begonnene Arbeiten mit Keramik fort. Die Burgstadt entwickelte sich zur Keimzelle der späteren großherzoglichen Karlsruher Majolika.

Die Kronberger Zeit währte nicht lange, denn bereits 1899 wurde Hans Thoma durch den Großherzog von Baden nach Karlsruhe berufen, um das Amt des Direktors an der Großherzoglichen Kunsthalle zu übernehmen. Außerdem unterrichtete er als Professor für Landschaftsmalerei an der Kunstakademie. Ein Schicksalsschlag vereitelte seine Pläne, das Haus in Kronberg zu behalten, um hier in den Sommermonaten in Ruhe malen zu können. Im Jahr 1901 starb Thomas Frau Cella mit nur 43 Jahren. Der „Fuchsbau“ in Kronberg war mit zu vielen schönen Erinnerungen verknüpft, sodass er sich zum Verkauf entschied.

Nach einem langen erfolgreichen Leben starb Hans Thoma 1924 im Alter von 85 Jahren in Karlsruhe. Dort erinnern das Thoma-Museum und die Thoma-Kapelle an den damals so bedeutenden Künstler.

Monika Öchsner

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.