Der Landschaftsmaler Peter Burnitz

„…Wie sehne ich mich nach dem Augenblick, wo ich das wüste Treiben hinter mir lassen und wieder in der reinen, freien Natur ganz Mensch, das heißt: Ich sein kann…“ 

Peter Burnitz, der bedeutendste Landschaftsmaler der Kronberger Malerkolonie, wurde 1824 in Frankfurt geboren und ist am Untermainkai aufgewachsen. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften bereiste der junge Burnitz zunächst Europa: Sizilien, Spanien, Algier – waren wichtige Stationen. Während dieser Zeit reifte sein Entschluss, nicht den gesicherten und geachteten Weg eines promovierten Rechtsanwaltes zu gehen, sondern, seinen langegehegten Wunsch, Künstler zu werden, zu verwirklichen. Ihm wurde bewusst, dass er „als Geschäftsmann stets eine höchst traurige Rolle spielen würde, abgesehen davon, dass er eben stets nur mit Unlust arbeiten würde.“ Mit großer Begeisterung wandte er sich der Malerei zu.

Burnitz in Barbizon

Paris, die bedeutendste Kunstmetropole des 19. Jahrhunderts war nächstes Ziel des jungen Malers. Er blieb von 1851 bis 1857. In dem Landschaftsmaler Émile Lambinet fand er einen Lehrmeister, der ihn in seinem Entschluss bekräftigte. Von dem idyllischen Dorf Barbizon, nur etwa 60 km von Paris entfernt, ging in dieser Zeit eine große Anziehungskraft auf Künstler aus. In den 1830er Jahren hatte sich dort eine Malerkolonie gebildet, der Camille Corot, Charles-FranVois Daubigny, Theodore Rousseau oder François Millet angehörten. Die ungezwungene Art des Zusammenlebens, aber auch die neuen Errungenschaften in der Landschaftsmalerei haben sich rasch über ganz Europa verbreitet. Künstler aller Nationen kamen in Barbizon zusammen. Mit Pinsel, Palette und Staffelei zogen sie in den Wald von Fontainebleau, um direkt in der Natur zu malen. Die Freilichtmaler füllten ihre Leinwände mit bizarren Felsformationen, knorrigen Bäumen oder mäandernde  Bachläufe. Diese schlichten, nah gesehenen Motive werden als ‚intime Landschaften’ bezeichnet. Peter Burnitz lebte und malte zusammen mit den Künstlern in Barbizon. Bereits 1855 erlangte er im Pariser Salon erste Erfolge mit seinen Landschaften. Kaiser Napoleon III. erwarb eines seiner Gemälde.

Burnitz und die Kronberger Malerkolonie

Nach achtjähriger Abwesenheit kehrte Peter Burnitz nach Frankfurt zurück. Um das Leben in der „reinen, freien Natur“ weiterhin genießen zu können, verbrachte er zunächst die Sommermonate in Kronberg. Später ließ er sich mit seiner Familie ganz dort nieder und blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1886.

In dem kleinen Taunusstädtchen hatten sich Ende der 1850er Jahre einige Frankfurter Künstler – Anton Burger, Jakob Fürchtegott Dielmann, Philipp Rumpf -niedergelassen und dem französischen Beispiel folgend, eine Malerkolonie gebildet. Auf der Suche nach ursprünglicher Natur und ländlichem Leben flüchteten sie aus Frankfurt, das sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zur lauten Industriestadt mit sozialen Problemen entwickelt hatte. Auch die rückwärtsgewandte Malerei der Nazarener und die Historienmalerei, die an der Städelschen Kunstschule gelehrt wurde, entsprach nicht ihren Vorstellungen von einer wirklichkeitsnahen Kunst. In dem romantisch am Hang gelegenen Kronberg dagegen fanden die Maler einen weitgehend unberührten Ort vor, in dem einfache Handwerker und Obstbauern ihrem Tagwerk nachgingen. Die jungen Städelschüler mussten nur vor die Türe gehen, um eine Fülle von Motiven zu entdecken: die mächtige Stauferburg, enge Gassen mit Fachwerkhäusern, Treppenaufgänge und mittelalterliche Stadtmauern mit Stadttoren. Auch die Dorfbewohner in ihren Alltagsbeschäftigungen wurden als bildwürdig empfunden. Für die Landschaftsmaler war Kronberg, umgeben vom Taunus mit seinen Wäldern, Wiesen und Bachtälern, ein idealer Ausgangspunkt.

Peter Burnitz war mit Anton Burger, der durch seine charismatische Persönlichkeit und seine Malschule, den Mittelpunkt der Kolonie bildete, aber auch mit Jakob Maurer und Hans Thoma, freundschaftlich verbunden. Den Kontakt nach Frankfurt pflegten die Kronberger Maler auch weiterhin sehr intensiv. Denn dort fanden die Ausstellungen statt, waren die Künstlerfreunde und natürlich die potentiellen Kunden. Die Bilder mit bäuerlichen Motiven und Taunuslandschaften fanden regen Absatz beim städtischen Publikum.

Intime Landschaftsmalerei in Kronberg

In Kronberg übertrug Peter Burnitz die aus Frankreich mitgebrachte Auffassung auf die heimische Landschaft und wurde zum wichtigsten Vermittler der französischen „paysage intime“ und der Freilichtmalerei. Den hügeligen Taunus oder die ebenen Flusslandschaften von Main, Rhein oder Nidda hielt er in zahlreichen Gemälden fest. Auf schmückendes Beiwerk und auf dramatische Effekte, wie zuckende Blitze, Nachtbilder mit Mondschein oder leuchtende Sonnenuntergänge verzichtete Burnitz völlig. Mit Vorliebe malte der empfindsame und eher melancholisch veranlagte Künstler Bilder mit regnerischer Atmosphäre mit einer gebrochenen, silbriggrünen bis braunen Farbgebung. Seine „schmutzig“ wirkenden Landschaften wurden vom Frankfurter Publikum und den Kritikern lange Zeit abgelehnt. Er wurde als „Meister des Tones der aschgrauen Langeweile“ bezeichnet und seine schlichten Landschaftsbilder heftig kritisiert. „Unübertrefflich in dieser Richtung ist aber Peter Burnitz, in dessen zahlreichen Bildern man wirklich nicht weiß, ob die Trivialität und die Hässlichkeit der Gegenstände oder die Abscheulichkeit den Sieg davon trägt, dergleichen Werke können uns die Natur verleiden und die Kunst dazu.“

Bei der internationalen Kunstausstellung in München gewann Burnitz 1869 mit einem ausgestellten Landschaftsszene die große Goldmedaille. Seine schlichten, aber dennoch sehr stimmungsvollen Landschaften fanden erst nach seinem Tod, gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der Heimat, ihre verdiente Anerkennung.

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